Warum gedenken?

veröffentlicht von Susan Hille

Das Gedenken umfasst das Pflegen bzw. Wachhalten einer Erinnerung – das Pendant ist das Vergessen. Die Gründe, welche Gedenken notwendig machen, sind gekennzeichnet von Gefühlen. Wobei unsere Gefühlswelt auch den Umfang sowie die Art und Weise des Gedenkens bestimmt. Bleibt noch die Frage offen, wessen wir gedenken. Der Verlust einer geliebten Person wird beispielsweise immer wieder Prozesse des Erinnerns in uns hervorrufen. Ebenfalls können einschneidende historische, gesellschaftliche und politische Ereignisse Gedenkprozesse auslösen. Ein solches einschneidendes Ereignis soll hier auch die Tat des 13. Februars 1999 darstellen.

Unser Gedenken gilt Farid Guendoul. Rassistisch motiviert wurde er in Guben von einer Gruppe rechter Jugendlicher zu Tode gehetzt. Unfassbar die Tat, unfassbar der öffentliche Umgang mit ihr im Folgenden. Ein Haupttäter, der nichts zu bereuen hat, und eine Stadt, welcher der eigene Ruf das Wichtigste ist, sollten neben der Tat als solche Anlass genug bieten, immer wieder die Erinnerung an Farid Guendouls dramatischen Tod einzufordern. Die Erkenntnis, dass der unfreiwillige Tod eines Flüchtlings in einer brandenburgischen Kleinstadt nicht bei allen das gleiche Maß an Erinnerung auslöst, soll hier nicht zur Diskussion stehen. Dass es mittlerweile nur noch wenig öffentliches Gedenken in Guben gibt, gehört jedoch angeprangert.

Warum Gedenken? Damit nicht vergessen wird, damit nicht weiterhin geleugnet werden kann, damit endlich auch eine breite Auseinandersetzung mit dem Thema Rassismus stattfinden kann, damit präventiv und zukunftsorientiert gehandelt werden kann, damit kein weiterer Mensch sein Leben lassen muss.

 

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