Das Übliche – April/Mai 2013

veröffentlicht von Redaktion

27. April 2013

Sonnabend, Obersprucke, am Monument. Der PR-affine Teil des Gubener NPD-Ortsbereichs stellt einmal mehr seinen Tapeziertisch auf und präsentiert sich mit einem Infostand. Das Wetter ist schlecht, der Sonnenschirm deplatziert. Der NPD-Kreistagsabgeordnete Karsten Schulz und ein paar andere versuchen, ihre Flyer an die Leute zu bringen.

Derartige Auftritte von Schulz erwecken den Eindruck, dass er wiedergewählt werden und bis dahin in Erinnerung bleiben möchte. Mit dem Thema des Infostandes „Raus aus der EU und Grenzen dicht! Für die Sicherheit unserer Bürger!“ ist jedenfalls ein wesentliches NPD-Thema der kommenden Wahlkämpfe in Guben vorgegeben. Die Partei versucht, an die verbreiteten anti-polnischen Ressentiments sowie die dominanten Kriminalitäts- und Sicherheitsdiskurse anzuknüpfen, und will sich als politische Lösung anbieten. Kurz: Die NPD will die erreichen, die denken, dass „die Polen alle klauen“ würden und dass die Grenze geschlossen gehört.

Das sind nicht wenige in Guben. Die NPD scheitert dann aber doch an der Realität. Einmal mehr berichtet sie später von „zahlreichen Passanten“, die informiert worden wären. Wir rekapitulieren deshalb die Rahmenbedingungen: Sonnabend, Obersprucke, am Monument.

1. Mai 2013

Zum Aufmarsch der NPD durch Berlin-Schöneweide am 1. Mai finden sich auch die üblichen Gubener NPD-Demo-Touristen ein, so der stellvertretende Kreisvorsitzende Alexander Bode und der Kreistagsabgeordnete Markus Noack. Bode übt wie gewöhnlich die Funktion eines Demo-Ordners aus – als verurteilter Gewalttäter ist er offenbar prädestiniert dafür. Noack trägt diesmal kein Transparent, sondern eine Fahne durch die Gegend – aus Gründen der Opportunität eine des Landes Berlin.

Insgesamt versammelt die NPD gut 500 Anhänger, die eine kurze Route durch Schöneweide zurücklegen. Sie sehen sich etwa 2000 Gegendemonstranten gegenüber.

7./8. Mai 2013

Im Polizeibericht vom 8. Mai heißt es zu Guben: „Unbekannte Täter brachten in der letzten Nacht mit Kreide mehrere Slogans auf den Asphalt in der Friedrich-Schiller-Straße auf. Inhalt der Schriftzüge ist der Tag der Befreiung am 8. Mai. Die Kriminalpolizei hat die Ermittlungen in alle Richtungen aufgenommen.“

Die Polizei ermittelt in alle Richtungen? Man könnte es verstehen, wäre dort von den unbekannten Tätern „Спасибо! Thank you! Merci! !תודה“ geschrieben worden. Das wäre irgendwie international, da kämen einige Richtungen zusammen. Allerdings stand das dort sicher nicht und es würde auch nicht erklären, warum die Polizei – genauer: die Kriminalpolizei – ermittelt.

Gubener Nazis äußern sich am 8. Mai weniger verklausuliert. Sie präsentieren im Netz das Bild eines Graffito in der Klaus-Hermann-Straße, nur einige Meter von der Friedrich-Schiller-Straße entfernt. Gegenüber des Wilhelm-Pieck-Monuments ist dort an die Wand geschrieben: „8. Mai 1945 / Wir feiern nicht / NS“. Das Ausrufezeichen daneben stammt noch von einem Slogan, der letzten August angebracht und nur leidlich übertüncht wurde. „17.08.1987 / Mord an Hess“ hieß es damals an selber Stelle.

UPDATE
11. Mai 2013

In Cottbus drängt sich der NPD-Kreisverband Lausitz mit einer Kundgebung vor der Stadthalle auf, in der zeitgleich Jugendweihefeiern stattfinden. So müssen die rund 200 Feiernden auf dem Platz zeitweise die Reden des NPD-Kreisvorsitzenden Ronny Zasowk ertragen. Sein Thema ist zugleich der zweite Schwerpunkt der NPD in den anstehenden Wahlkämpfen: die Hetze gegen Asylbewerber.

Unter den gut 20 NPD-Anhängern findet sich wie üblich eine Abordnung aus Guben – zurück vom Berlin-Ausflug hält Markus Noack nun wieder eine Brandenburg-Fahne in die Luft. Nach der Kundgebung fahren die Teilnehmer nach Calau, um dort das erste Fußballturnier des NPD-Kreisverbandes abzuhalten.

 

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